Crowdfunding

Damit mein Fallbeispiel später etwas transparenter wird und ihr verstehen könnt, was Startnext eigentlich macht, möchte ich mich zunächst einmal ganz allgemein dem Thema Crowdfunding zuwenden und euch über die Planung einer Crowdfunding-Kampagne sowie über Theorie, Historie und Praxis informieren.

Kreative und innovative Ideen gibt es sprichwörtlich wie Sand am Meer. Oft scheitert die Umsetzung jedoch an mangelnder Finanzierung. Staatliche Förderungen sind zudem mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden und Subventionen können am tatsächlichen gesellschaftlichen Bedürfnis vorbei zielen.
Crowdfunding, zu Deutsch „Schwarmfinanzierung“, hingegen ist eine Möglichkeit der Kapitalbeschaffung, bei der viele Einzelpersonen („crowd“) in ein Projekt, eine Idee oder ein Unternehmen mit vielen kleinen Geldbeträgen investieren, um es bei dessen Verwirklichung zu unterstützen (vgl. Belleflamme, Lambert, & Schwienbacher, 2010, S. 5). Crowdfunding ist ein Teilbegriff des Crowdsourcings. 2006 wird der Begriff Crowdsourcing von Jeff Howe zum ersten Mal erklärt: „Hobbyists, part-timers, and dabblers suddenly have a market for their efforts, as smart companies in industries as disparate as pharmaceuticals and television discover ways to tap the latent talent of the crowd. The labor isn’t always free, but it costs a lot less than paying traditional employees. It’s not outsourcing; it’s crowdsourcing (Howe, 2006, wired).“ Anstatt sich einen hohen Kredit bei der Bank oder von Privatinvestoren zu beschaffen, hilft Crowdfunding den Projektinitiatoren, Geld aus der Internet-Community zu sammeln, indem jede Person einen beliebigen Betrag zur Verfügung stellt. So wird der Geldgeber emotional am Projekt beteiligt. Auch der Projektinitiator erhält dadurch weit mehr als nur finanzielle Unterstützung. Er erfährt auch einen Vertrauensvorschuss für seine Idee und den Beweis für ein gesellschaftsorientiertes Konzept. Ein Crowdfunding-Projekt wird erst realisiert, wenn sich genügend Unterstützer gefunden haben, die sich von der Idee begeistern ließen und die Zielsumme erreicht ist. Dadurch wird der tatsächliche, gesellschaftliche Bedarf zielgenauer getroffen, als dies staatliche Subventionen oder klassische Finanzierungs-formen könnten.

Je nach Verwendungszweck des Kapitals und der Rückflüsse an die Investoren lassen sich im Crowdfunding vier Finanzierungsmodelle unterscheiden (vgl. Belleflamme, Lambert, & Schwienbacher 2013a, Hemer, Schneider, Dornbusch, & Frey 2011, Leimeister 2012). Die verschiedenen Internet-Plattformen treten dabei stets als Vermittler (Intermediäre) zwischen den privaten Geldgebern und Geldsuchern ein:

Beim Donation-based-Modell spendet der Unterstützer einen beliebig großen Geldbetrag an das Projekt, ohne dafür eine Gegen-leistung vom Projektinitiator zu erhalten. Beispielhaft für dieses Finanzierungsmodell sind die Plattformen altruja.de und betterplace.org zu nennen.

Das Reward-based-Modell ent- spricht dem Crowdsponsoring, bei dem Projekte verschiedenster Art durch die Crowd finanziert werden. Dabei erhalten die Investoren keine materiellen Gegenleistungen. Viel- mehr werden dem Sponsor Dienstleistungen und Reputationen angeboten, wie z.B. die Namens-nennung im Abspann des finan-zierten Films oder auf dem Cover einer produzierten DVD. Bekannte Plattformen für Crowdsponsoring sind im deutschsprachigen Raum bspw. startnext.de, in den USA sind kickstarter.com und indiegogo.com bekannte Plattformen.

Durch das Equity-based-Modell bzw. Crowdinvesting werden Finan-zierungsbeiträge einer größeren Zahl von Investoren gesammelt, die sich mit relativ kleinen Beträgen über das Internet an der Finanzierung von (Start-up)- Unternehmen beteiligen. Dafür werden den Investoren finanzielle Gegenleistungen angeboten, wie Unternehmens- oder Gewinnbeteili-gungen. Bekannte Vertreter sind innovestment.de und seedmatch.de.

Beim Lending-based-Modell (Darlehens-Modell) werden Kleinstkredite vergeben. Für die Kapitalbereitstellung erhalten die Investoren eine festgelegte Verzinsung. Die Kreditvergabe erfolgt als Peer-to-Peer-Lending. Beim Microlending werden die Intermediäre eingesetzt, um Mikrokredite für Projekte mit dem Ziel der wirtschaftlichen Entwick- lung zu vergeben. Plattformen des Peer-to-Peer-Lendings sind auxmoney.de oder prosper.com. Microlending-Plattformen sind bspw. zidisha.org und kiva.org.

Abb. 1: Finanzierungsmodelle im Crowdfunding (eigene Darstellung)

Abb. 1: Finanzierungsmodelle im Crowdfunding (eigene Darstellung)

Planung einer Crowdfunding-Kampagne

Je nach Intermediär und Plattform unterscheiden sich die Phasen eines Crowdfunding-Prozesses. Auf Startnext beispielsweise wird in der Startphase das Projekt zunächst einmal getestet, Fans gesammelt und auf Feedback von der Crowd gewartet, während auf anderen Plattformen einfach eine Projektseite angelegt und schon losgesammelt werden kann. Trotzdem können drei allgemeine Schritte festgehalten werden – egal ob man sein Projekt auf eine Crowdfunding-Plattform einstellt oder es auf einer anderen öffentlichen Internetseite bzw. privaten Webpage inseriert:

  1. Eckdaten: Idee oder Bedarf haben, Projektkonzept erstellen, Zielgruppen, Zielbudget  und Finanzierungszeitraum festlegen)
  2. Darstellung: (Plattform auswählen und Projekt beschreiben)
  3. Bewerbung: (Unterstützer suchen nd Bekanntheitsgrad steigern)

Der Finanzierungserfolg eines Crowdfunding-Projekts ist unter anderem stark von dessen Präsentation abhängi. Ratschläge, Erfahrungsberichte und Meinungen gibt es von Plattformbetreibern und Bloggern zur Genüge. Die aufwendigste empirische Untersuchung dazu ging jedoch Alexandra Harzer (2013) an. Sie konnte anhand von Kulturfinanzierungsprojekten in Deutschland und den USA Faktoren für den erfolgreichen Abschluss einer Crowdfunding-Kampagne identifizieren. Nach Harzer sind die Projektbeschreibung und ein Vorstellungsvideo sehr wichtig. Diese sollten alle Projektinformationen enthalten sowie die Motivation des Projektinitiators verdeutlichen, die Gegenleistungen erklären, kreativ und unterhaltsam sein und den Unterstützer direkt ansprechen. Weiterhin kann eine multimedial gestaltete Projektseite, Informationen zum Projektfortschritt im Projektblog und das Einbeziehen von Facebook sowie weiteren Multiplikatoren in Form von Bloggern die Finanzierungsbereitschaft der Crowd steigern   (vgl. Harzer, 2013, S. 126-127).

Zur Historie des Crowdfundings

Seinen Ursprung findet das Crowdfunding in der Finanzierung von Musikern, Künstlern und Kreativen. Plattformen wie Sellaband.com und Artistshare.com bieten ihnen eine öffentliche Plattform, um sich und ihre kreativen Ideen mithilfe der Crowd zu verwirklichen. Bislang hat SellaBand.com mehr als 80 Musikaufnahmen auch internationaler Künstler erfolgreich zum Ziel geführt. Über 4.500.000 Euro haben Fans bereits für unabhängige Künstler über SellaBand.com weltweit investiert (vgl. Schleuniger, Klein, & Wils, o. J., Für-Gründer.de).

Angesichts des großen Erfolgs erkannten schließlich auch Filmemacher sowie Start-up-Unternehmer das Potenzial einer Crowd für sich. Einer der bekanntesten deutschen Filme, die bisher über Crowdfunding finanziert wurden, ist der Blockbuster zur gleichnamigen ProSieben-Serie „Stromberg“. In nur einer Woche finanzierten die Fans eine Million Euro für den angekündigten „Stromberg“-Spielfilm (vgl. vks, dpa, & AFP, 2011, Spiegel Online). Die Unterstützer kauften einen Anteil am Film zum Preis von 50 Euro pro Stück. Im Gegenzug erhielten sie eine Beteiligung an den Erlösen aus der Kinoauswertung (vgl. Langheld, Komp, & Prof. Dr. Scheuermann, 2013). Damit ist „Stromberg“ bereits der zweite große deutsche Kinofilm, der mittels Crowdfunding finanziert wurde. Vorreiter bildet der „PorNeografische“ Film „Hotel Desire“, dessen Kampagne im Jahr 2011 stattfand und mit 170.000 Euro erfolgreich finanziert wurde (vgl. Pohlmann 2013, Niemann 2011).

Zahlen, Daten und Fakten

Das Internet-Portal Startnext.de ist die größte deutsche Crowdfunding-Plattform. 513 Projekte wurden dort im Jahr 2012 erfolgreich finanziert und somit insgesamt 1.974.741 Euro Kapital eingesammelt. Auf Platz zwei der erfolgreichsten deutschen Plattformen liegt VisionBakery.de mit 78 erfolgreich finanzierten Projekten (vgl. Schleuniger, Klein, & Wils, o. J.). Allerdings ist eine Crowdfunding-Plattform nicht unbedingt nötig, um eine Crowdfunding-Kampagne zu führen. Kampagnen, die über andere öffentliche Internetseiten oder über eine private Webseite vermarktet werden, können auch zum Erfolg führen. Der „Stromberg“-Spielfilm ist ein Beispiel für erfolgreiches Crowdfunding, das auf myspass.de durchgeführt wurde (vgl. Langheld, Komp, & Prof. Dr. Scheuermann, 2013).

Während sich Crowdfunding als ernstzunehmende Finanzierungsform in den USA schon etabliert hat, befindet es sich in Europa noch in den Kinderschuhen. Seit Anfang 2011 nehmen in Deutschland die Crowdfunding-Aktivitäten zu. Waren es vor zwei Jahren insgesamt nur 0,46 Millionen Euro eingesammeltes Kapital, so stieg die Zahl über die Jahre bis zum dritten Quartal 2013 auf bereits 5,8 Millionen Euro (vgl. Schleuniger, Klein, & Wils, o. J.). Crowdfunding ist also keine Spielerei gelangweilter Banker und Computerfreaks sondern eine ernst zu nehmende Alternative zu klassischen Finanzierungsmethoden.

Abschließend könnt ihr euch dieses Video anschauen. Es erklärt anschaulich am Beispiel von Startnext, wie man eine Crowdfunding-Kampagne durchfürt.

Quellen

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Ein Gedanke zu „Crowdfunding

  1. Pingback: Fallbeispiel: Startnext – die Crowdfunding-Plattform für Kreative und Startups | Startnext: externe Unternehmenskommunikation

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